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Stellungnahme zur Medienmitteilung des Verbands Zürcher Krankenhäuser (VZK)

Die Entscheidung des Verbands Zürcher Krankenhäuser (VZK), ab Sommer 2025 auf temporäres Pflegepersonal zu verzichten, ist aus der Perspektive des Temporärpersonals nicht nur eine fatale Fehlentscheidung, sondern auch eine verpasste Chance, die tatsächlichen Herausforderungen im Gesundheitswesen anzugehen. Die Massnahme zielt zwar auf eine «nachhaltigere Personalstrategie», ignoriert jedoch die fundamentalen Probleme, die durch die steigende Arbeitsbelastung und den Fachkräftemangel im Pflegebereich entstehen. Es ist kritisch zu hinterfragen, ob diese Entscheidung wirklich im besten Interesse der Pflegefachpersonen, der Patientinnen und Patienten sowie des gesamten Gesundheitssystems ist.

Ignorieren der Flexibilität und der realen Bedürfnisse des Gesundheitssektors

Der Verzicht auf temporäres Pflegepersonal entzieht Gesundheitsinstitutionen eine zentrale strategische Ressource – die Flexibilität. Temporäre Fachkräfte bieten eine schnelle Reaktionsmöglichkeit auf kurzfristige Schwankungen in der Patientenzahl, unerwarteten Krankheitsausfällen oder saisonale Belastungsspitzen. Gerade in einem dynamischen Sektor wie dem Gesundheitswesen sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit unverzichtbar. Die Entscheidung des VZK, auf temporäres Personal zu verzichten, könnte sich als Bumerang erweisen, wenn Personalmangel oder unerwartete Krankheitsausfälle im ohnehin stark belasteten Stammpersonal dazu führen, dass der Pflegebedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Dies würde nicht nur die Qualität der Versorgung gefährden, sondern auch zu Umsatzeinbussen führen, da weniger Fälle durchgeführt werden können.

Idealisierung der Festanstellung als Allheilmittel

Die Argumentation des VZK, dass Festanstellungen die einzige Lösung für eine nachhaltige Pflegequalität darstellen, ist eine Vereinfachung komplexer Problemstellungen. Dieses Argument wird dadurch relativiert, dass neu eingeführte Arbeitsmodelle in den Spitälern einen vergleichbaren Effekt auf die Bindung an den Betrieb erzielen. Festanstellungen bieten zwar gewisse Vorteile in Bezug auf langfristige Bindung und Stabilität, jedoch wird der Realität vieler Pflegefachpersonen nicht gerecht, dass Flexibilität, berufliche Selbstbestimmung, unterschiedliche Arbeitsmodelle und höhere finanzielle Entlohnung ebenso essenziell für die Attraktivität des Berufs sind. Temporäre Mitarbeitende, die sich bewusst für flexible Arbeitszeitmodelle und abwechslungsreiche Tätigkeiten entscheiden, werden von dieser Lösung ausgeschlossen. Statt den Beruf in seiner gesamten Vielfalt und Flexibilität zu fördern, werden hier einseitige Lösungen bevorzugt, die viele qualifizierte Pflegekräfte aus dem Gesundheitswesen vertreiben könnten.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Versorgungssicherheit

Die Entscheidung des VZK könnte langfristig zu einem Mangel an qualifizierten Pflegekräften führen. Temporärarbeit bietet gerade denjenigen Pflegekräften, die aufgrund von Lebensumständen oder persönlichen Präferenzen keine Festanstellung anstreben, eine wertvolle Beschäftigungsoption. Diese Entscheidung könnte dazu führen, dass sich gerade diese Fachkräfte anderweitig orientieren, was zu einem noch drastischeren Mangel an qualifiziertem Personal führen würde. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Pflegebereich ist es mehr als bedenklich, eine wichtige Quelle von Arbeitskräften wie das Temporärpersonal einfach auszuschliessen.

Finanzieller Aspekt und die unterschätzte Bedeutung des Temporärmarktes

Temporäres Pflegepersonal wirkt in vielen Fällen zunächst teurer als Festangestellte, doch in dieser Leistung sind die Kosten für Personalbeschaffung, Weiterbildung, Marketing, Administration und Buchhaltung bereits enthalten. Die Entscheidung des VZK ignoriert diese finanziellen Aspekte und die Notwendigkeit, flexible Personalstrukturen in einem ohnehin stark belasteten Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten. Ein ständiger Mangel an temporärem Personal könnte zu einer Überlastung des bestehenden Festangestellten-Personals führen, was langfristig die Pflegequalität, hohe Umsatzeinbussen und die Arbeitszufriedenheit aller Mitarbeitenden beeinträchtigen würde.

Kartellrecht im Visier: Rechtliche Schritte gegen Einschränkung des Arbeitsmarkts im Gesundheitswesen

Swissstaffing hat ein rechtliches Verfahren gegen den Entscheid des VZK eingeleitet, da dieser faktisch dazu führt, dass Mitarbeitende im Gesundheitswesen schlechtere Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen müssen. Aus Sicht des Verbands stellt dies einen klaren Verstoss gegen das Kartellgesetz dar, da der freie Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt erheblich eingeschränkt wird. In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls ein Verfahren zur Prüfung möglicher kartellrechtlicher Verstösse und Verantwortlichkeiten eröffnet.

Fazit

Die Entscheidung des VZK, auf temporäres Pflegepersonal zu verzichten, ignoriert nicht nur die gelebte Praxis, sondern gefährdet langfristig die Qualität der Gesundheitsversorgung. Statt Fortschritt bedeutet sie einen Rückschritt. Anstelle einer Ausgrenzung von Temporärpersonal sollte der Fokus auf einer respektvollen, interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegefachpersonen liegen – ergänzt durch verbesserte Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung sowie die Schaffung flexibler und attraktiver Arbeitsmodelle für alle Pflegekräfte.

Ein ausschliesslich auf Festanstellungen ausgerichtetes Modell berücksichtigt weder die vielfältigen Bedürfnisse noch die komplexen Anforderungen des Gesundheitswesens ausreichend. Das System benötigt sowohl stabile als auch flexible Lösungen, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Der Verzicht auf temporäres Personal stellt daher eine ernsthafte Gefahr für die notwendige Balance auf dem Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen dar.

Zahlreiche bewährte Modelle zeigen, dass eine produktive Kombination aus Festangestellten und Temporärkräften sowohl hohe Flexibilität als auch stabile Arbeitsprozesse ermöglicht. Ein Ausschluss von Temporärkräften birgt das Risiko, ein stagnierendes Arbeitsumfeld zu schaffen und langfristig qualifizierte Fachkräfte aus der Branche zu verlieren.

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